Gutes Essen will bezahlt sein

Evangelische Kirchenpflege Nürtingen beantragt bei der Stadt Zuschüsse für das Ferienlager und die Vesperkirche
Das Ferienlager der evangelischen Kirche in Nürtingen ist eine Institution, seit 68 Jahren verbringen dort Kinder und Jugendliche unbeschwerte Sommertage. Die Stadt bezuschusst die Verpflegung. Die evangelische Kirchenpflege beantragte eine Erhöhung des Betrags, der Kultur-, Schul- und Sozialausschuss stimmte dem vorbehaltlich der Haushaltsberatungen zu.

Nürtinger Zeitung - Uwe Gottwald

 

Neben der Erhöhung des Verpflegungssatzes beantragte die Kirchenpflege einen einmaligen Zuschuss zur Renovierung des Gemeindezentrums an der Versöhnungskirche und einen Zuschuss für die Vesperkirche. Bevor die Ausschussmitglieder in die Beratungen eintraten, gab Klaus Fischer (Freie Wähler) zu bedenken, es gehe um laufende Zuschüsse, die sich dauerhaft im Haushalt niederschlagen. Zumal vom Arbeitskreis Leben sowie zur Förderung der Schwangerschaftsberatung vom Sozialdienst katholischer Frauen ebenfalls Zuschussanträge vorlägen, so Fischer, beantrage er, diese Punkte abzusetzen und im Zuge der Haushaltsberatungen zu diskutieren. Damit wolle er die Anträge nicht grundsätzlich in Frage stellen, betonte Fischer. Man wisse jedoch gar nicht, ob und in welcher Höhe der Haushalt Zuschüsse hergebe.

Bürgermeisterin Annette Bürkner schlug als Sitzungsleiterin vor, die Anträge dennoch zu besprechen, seien doch Vertreter der Antragsteller anwesend, die Auskünfte geben könnten. Empfehlungen an den Gemeinderat könnten vorbehaltlich der Haushaltsberatungen ausgesprochen werden. Dieses Vorgehen fand breite Zustimmung, weshalb Fischer seinen Antrag zurückzog.

Der Zuschuss zur Verpflegung im Ferienlager ist seit 30 Jahren nahezu auf dem gleichen Niveau von 1,28 Euro pro Kind und Tag. Das machte in den vergangenen Jahren je nach Teilnehmerzahl zwischen 2500 und 4000 Euro aus. Die evangelische Kirche beantragte eine Erhöhung auf drei Euro, die tatsächlichen Kosten betragen gut neun Euro.

Die Verwaltung schlug eine Erhöhung auf 2,50 Euro vor, der wie bereits zuvor ausschließlich für die Anzahl an Nürtinger Kindern gewährt werde. Ausgehend von den letzten Teilnehmerzahlen käme der Zuschuss auf circa 4500 Euro. Das sei aufgrund des veränderten Konzepts mit weniger Betreuungstagen im Rahmen der Zuschüsse der Vorjahre. Bürgermeisterin Bürkner betonte, das Ferienlager stelle einen ganz wesentlichen Baustein der Ferienbetreuung der Stadt Nürtingen und damit auch zur Vereinbarung von Familie und Beruf dar. Auch ermögliche es Kindern aus Familien, die sich keine Urlaubsreise leisten können, ansprechende Ferienerlebnisse

Beim Zuschussantrag für die Sanierung des Gemeindezentrums zeigten sich manche Ausschussmitglieder skeptisch mit Blick auf die Gleichbehandlung mit anderen Institutionen. Der anwesende Dekan Michael Waldmann begründete den Antrag ebenfalls in Zusammenhang mit dem Ferienlager. Für dieses nutze man die Räumlichkeiten des Gemeindezentrums intensiv. Andernorts bezuschussten Kommunen die Waldheime, in denen es dieselben Angebote gebe. Deshalb habe man auch bei der landesweiten Waldheim-Arbeitsgemeinschaft einen Zuschussantrag gestellt.
Gemeindezentrum soll auch offene Begegnungsstätte sein

Auch soll an der Versöhnungskirche ein Zentrum für Bildungsarbeit und Begegnung entstehen, mit dem man vor allem junge Menschen jeder Herkunft, Religion und Nationalität ansprechen möchte, erläuterte der Dekan. Dazu suche man die Kooperation mit verschiedenen Institutionen und der bürgerlichen Gemeinde. So sei auch an weitere Ferienangebote gedacht. Von der Stadt erhoffe man sich nun einen Zuschuss in Höhe von fünf Prozent der Baukosten, also von rund 56 000 Euro bei Gesamtkosten von 1,124 Millionen Euro. Waldmann betonte, dass dies ein Sonderfall sei und keinesfalls der Einstieg zu einer weiteren Förderung von Immobilien der Kirche.

Inhaltlich brach Waldmann nochmals eine Lanze für die Arbeit im Ferienlager, das in zwei Abschnitten zu je zwei Wochen von insgesamt rund 300 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 14 Jahren in Anspruch genommen wird: „Kinder können in der Natur und der Gemeinschaft sinnvoll ihre Ferien gestalten und bekommen eine gute Verpflegung aus regionalen Produkten. Unterstützt in ihren Freizeitaktivitäten werden sie von 50 engagierten Betreuerinnen und Betreuern und weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern.“ Dabei sei man offen für alle Kinder, gleich welcher Religion und Herkunft.

Schließlich warb Waldmann für den Zuschussantrag für die Vesperkirche, nicht ohne schmunzelnd zu bekennen: „Ich bin dem Gremium dankbar, hier so ausgiebig sprechen zu dürfen, dafür sind wir als Kirchengemeinde in der Vergangenheit aber auch weniger häufig an die Stadt herangetreten.“ Die Vesperkirche bezeichnete Waldmann als ein gelungenes Inklusionsprojekt, sowohl was die Teilnehmer an den günstigen Mittagessen als auch die Ehrenamtlichen betreffe. „Ganz unterschiedliche Menschen finden an den Mittagstischen zusammen und unter unseren Helferinnen und Helfern ist gerade auch die Jugend und darunter auch die schwächeren Schülerinnen und Schüler stark vertreten.“ Diese Erlebnisse gäben viel Selbstvertrauen.

Die Kosten dieses Jahr lagen bei 55 000 Euro, die Essenserlöse bei 16 000 Euro. Die Deckungslücken seien durch Spenden zunehmend schwerer zu schließen. Deshalb beantragte die Kirche einen laufenden Zuschuss von rund 6000 Euro oder einem Euro pro Essen.

Die Ausschussmitglieder wollten sich den Argumenten nicht verschließen, sparten nicht mit Anerkennung und befürworteten alle Anliegen einstimmig, jedoch unter dem von Bürkner erwähnten Vorbehalt der Haushaltslage.