Pfarrerin Brückner-Walter verabschiedet

Pfarrerin Barbara Brückner-Walter wurde am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet

Mit herzlichen Worten verabschiedete Dekan Michael Waldmann am Sonntag Pfarrerin Barbara Brückner-Walter in den Ruhestand. Foto: pd

 

Nürtinger Zeitung: Peter Dietrich

Rechte und Pflichten sind im Leben oft miteinander verbunden: Man darf etwas, aber man muss es auch. Bei Barbara Brückner-Walter ist beides nun entkoppelt. Als Pfarrerin im Ruhestand, sagte Dekan Michael Waldmann zu ihr, dürfe sie weiterhin predigen, taufen und das Abendmahl ausgeben. „Aber immer nur dann, wenn Sie möchten.“

Ein Gottesdienst mit einer Entpflichtung, viel gute Musik, eine Pause mit Erfrischungen und danach acht Grußworte mit Geschenken – das waren die wesentlichen Bausteine der Verabschiedung im Martin-Luther-Hof. Durch viel Abwechslung wirkten die knapp drei Stunden kurzweilig. Durch die aktuellen Abstandsregeln waren die Plätze beschränkt, doch die Kirchengemeinde hatte das Foyer und den Innenhof einbezogen und das Maximale ermöglicht.

Diese Gastfreundschaft zog sich als Thema durch die gesamte Feier, auch durch die Predigt von Barbara Brückner-Walter. „Gastfreundschaft ist Gottesdienst“, betonte die Pfarrerin. Sie habe erlebt, wie der Martin-Luther-Hof für Geflüchtete zu einem Ort wurde, an dem sie Deutsch gelernt haben. Doch Gastfreundschaft sei nicht nur im heimeligen Martin-Luther-Hof gefragt: „Der Weg in Gottes Zukunft führt uns nach draußen, außerhalb des Vertrauten und Liebgewordenen, in die Unterkünfte der Geflüchteten, ins Gefängnis, ins Schutzhaus für Frauen, zu den Geflüchteten auf dem Mittelmeer.“

Mit Fachwissen und Fingerspitzengefühl

Dekan Waldmann sagte, er habe Barbara Brückner-Walter „als Pfarrerin erlebt, die den Menschen nahe war“. Nicht alles im Dienst einer Pfarrerin sei nach außen sichtbar. „Wir danken Gott für Ihren Dienst und Einsatz, für Ihre Treue und Liebe. Sie haben sich auch in gesellschaftliche Fragen eingemischt und sich dabei nicht nur Freunde gemacht.“ Mit Fachwissen und Fingerspitzengefühl machte sich die Pfarrerin im interreligiösen Dialog verdient. Sie habe wie eine Löwin für ihre Gemeinde gekämpft, sagte Waldmann, aber auch ohne irgendwelches Nachtreten demokratische Entscheidungen respektiert.

Das große musikalische Interesse der Pfarrerin, sie spielt im Nürtinger Kammerorchester, wirkte sich auf die Familie aus: Die musikalische Gestaltung der Feier hatten mit Amrei und Christian Walter eigene Kinder übernommen. Zudem gab es eine Einlage der neuen Organistin Manuela Häberle am Flügel, sie wurde vom Trommler Marcel Nyam a Mbamba begleitet, eine sehr gelungene Kombination. Marcel Nyam a Mbamba trat in der Erfrischungspause auch mit einer ganzen Percussiongruppe auf.

Eines hatte der Kirchengemeinderat bei aller umsichtigen Vorbereitung vergessen, den Gabentisch, so half die Orgelbank aus. Den Auftakt bei den Grußworten machte Bürgermeisterin Annette Bürkner. Sie beschrieb die Pfarrerin als „eine Macherin und Gestalterin“, sie sei „immer nah dran an wichtigen gesellschaftlichen Themen“. Kirchen und Kommunen arbeiteten an vielen Stellen zusammen, doch entscheidend seien die handelnden Personen. Jürgen Knodel, Vorstand der Stiftung Tragwerk, sprach von „einer Pfarrerin, die für Kinder und Jugendliche brannte“. Im Martin-Luther-Hof habe die Diakonie, die aus der Kirche erwuchs, unter einem gemeinsamen Dach zu ihren Ursprüngen zurückgefunden. Zum Buch der Stadt kam als nächstes Geschenk ein Mobile der Tragwerk-Kita mit guten Wünschen der Kinder.

Vom katholischen Pastoralreferenten Marcel Holzbauer gab es nicht nur ein Buch und eine Espressotasse. Weil zum Espresso auch Wasser gehört, hatte er ein Fläschchen Weihwasser aus der letzten Osternacht hinzugefügt. „Bei dir wusste man definitiv, woran man war“, lobte er die „verlässliche, kompetente Theologin“. Pastor Jürgen Hofmann von der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zitierte seine Ehefrau mit den Worten: „Ich höre die Bärbel sehr gerne, sie predigt ganz anders als du.“ Das sei gut, auf die Vielfalt komme es an. Die Pfarrerin sei „eine gute Zuhörerin, nachdenklich und unerschrocken“. Er übergab ein Brevier mit Texten des Kirchengründers John Wesley.

Die Diakonin Bärbel Greiler-Unrath sprach für die Vesperkirche und hatte dazu passend einen Sushi-Bausatz mit Servierbrett mitgebracht: „Du guckst vorbei, du gehst auf Menschen zu, so warst du auch in der Vesperkirche, als Gastwirtin.“ Von den Pfarrkollegen bekam die scheidende Pfarrerin einen Hängesessel, damit könne sie im Ruhestand mal einen Tag lang abhängen. Für den Arbeitskreis Friedenswoche und die Gedenkinitiative Nürtingen dankte Barbara Dürr der Pfarrerin, alljährlich hätten die Türen ohne Vorbehalte offen gestanden.

Das Abschiedsgeschenk der eigenen Lutherkirchengemeinde war keine Überraschung, sondern erfüllte einen Wunsch der Pfarrerin: Ulrike Kudlich und die anderen Kirchengemeinderäte überreichten ihr ein Paddel für das Stand-up-Paddeln. Das Geschenk umfasst aber die ganze Ausrüstung, also auch das aufblasbare Board, die Luftpumpe und einen Rucksack. Das Geschenk sei genau richtig, befand Ulrike Kudlich: In 17 Jahren in Nürtingen habe Barbara Brückner-Walter Stehvermögen bewiesen.