Die Nürtinger Pfarrerin Brückner-Walter geht in den Ruhestand

Abschiedsgottesdienst unter Corona-Bedingungen für Pfarrerin Barbara Brückner-Walter in der Nürtinger Lutherkirche

Noch wenige Tage ist der Martin-Luther-Hof die Wirkungsstätte von Barbara Brückner-Walter. Am 26. Juli wird die Pfarrerin verabschiedet. Foto: jh

Nürtinger Zeitung: Anneliese Lieb

Die Begegnungen, die Offenheit und das Vertrauen, das ihr in vielen Gesprächen entgegengebracht wurde, waren bereichernd. Diese besonderen Zusammentreffen wird Barbara Brückner-Walter vermissen. Die Pfarrerin der Lutherkirche verabschiedet sich Ende Juli in den Ruhestand. Ein intensiver, ausgefüllter und manchmal auch anstrengender Berufsalltag endet.

17 Jahre war Barbara Brückner-Walter Pfarrerin im Martin-Luther-Hof in Nürtingen. Der längste Abschnitt in ihrem 38 Jahre währenden aktiven Berufsleben. In Nürtingen war sie die erste Gemeindepfarrerin überhaupt. Eine Seelsorgerin, die es verstanden hat, die Menschen in ihren ganz individuellen Situationen abzuholen. Bei Todesfällen hat sie das Leid mit den Angehörigen ausgehalten. Hochzeiten oder Taufen waren die freudigen Momente, die sie teilen durfte. Ihre Arbeit mit allen Generationen vom Religions- und Konfirmandenunterricht bis hin zu Begegnungen beim Seniorennachmittag empfand sie stets als Bereicherung.

Wichtig war ihr in all den Jahren aber auch, wie sie als Vertreterin der Landeskirche sich ins gesellschaftliche Leben einbringen kann. So sah und sieht sie es auch als Aufgabe der Kirche, sich einzumischen, wenn Menschenleben in Gefahr sind. In Erinnerung ist ihr dabei unter anderem das Odyssey-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt und der Gedenkinitiative. Die Ausstellung mit den 44 überlebensgroßen Holzfiguren von Künstler Robert Koenig, die als „Wächter der Erinnerung“ an Flucht, Vertreibung, Heimatlosigkeit und Verlust stehen. Oder 2017 das Konzert in der Lutherkirche mit Aeham Ahmad, einem palästinensisch-syrischen Pianist. „Ein wirklich beeindruckender Abend.“ Oder die Veranstaltung mit dem Tübinger Theologie-Professor Jürgen Moltmann – „er hat mich in den 70er Jahren geprägt“. Dieses sich Einmischen sei ihr schon während dem Theologie-Studium ein Anliegen gewesen. „Das zieht sich durch mein Leben und meinen Beruf.“

Verschiedene Beispiele, bei denen innerkirchliche Grenzen überschritten wurden. Für Barbara Brückner-Walter aber auch Chancen, um Dialoge anzustoßen und Besucher anzusprechen, die sonst den Weg in die Kirche nicht gefunden hätten.

Außerdem sei es Aufgabe der Kirche, sich für Menschen in schwieriger Lage zu engagieren, sagt Brückner-Walter. Deshalb war sie als Pfarrerin der Lutherkirche auch gerne Gastgeberin für die Vesperkirche. „Das war immer etwas ganz Besonderes.“

Das Immobilienprojekt war ein wichtiger Meilenstein


Für die Anliegen ihrer Kirchengemeinde hat sie gekämpft. Sie erinnert sich an hitzige Debatten im Gesamtkirchengemeinderat über die Zukunft der Gemeindehäuser und Pfarrstellen. „Aufreibende Jahre sind das gewesen seit den sogenannten Pfarrplänen, und dabei hat Nürtingen ja auch mehr als eine Pfarrstelle eingebüßt“, schreibt sie im Gemeindebrief zu ihrer Verabschiedung. Für die Lutherkirche sei es auch ein langer und mühsamer Prozess gewesen, das Immobilienkonzept umzusetzen. Vor zwei Jahren dann der Spatenstich für den neuen Lutherhof in Partnerschaft mit der Stiftung Tragwerk. Dass der neuen „Martin-Luther-Hof gemeinsam“ im Herbst letzten Jahres eingeweiht werden konnte, empfindet die Pfarrerin als Bereicherung. Gleichzeitig bedauert sie, dass die geplanten Veranstaltungen in den neuen Räumen durch Corona ausgebremst wurden.

Ihre erste ständige Pfarrstelle hatte Barbara Brückner-Walter in Reutlingen-Betzingen. Damals in Stellenteilung mit ihrem Ehemann. „In Betzingen sind auch unsere drei Kinder geboren.“ Die sind längst erwachsen und leben in Freiburg, Stuttgart und Mainz. Dass sie alle zur Verabschiedung am Sonntag, 26. Juli, in die Lutherkirche kommen und zwei ihrer Kinder den Gottesdienst musikalisch gestalten, das freut sie ganz besonders. Coronabedingt ist die Besucherzahl in der Lutherkirche begrenzt.

Den Ruhestand verbringt Barbara Brückner-Walter mit ihrem Ehemann in Nürtingen und freut sich, jetzt auch mehr Zeit für den Enkel zu haben, der in Stuttgart lebt.

Man wird Barbara Brückner-Walter also auch weiterhin mit ihrem Fahrrad (mit dem Aufkleber der Stuttgart21-Gegner) in der Stadt sehen. Sie wird auch noch 14-täglich eine Seelsorgegruppe in der Tagesklinik Schlössle in Oberensingen leiten.