Ein Anwalt der Kinder und Jugendlichen

Zum Tode des Nürtinger Stadtrats und Diakons Thomas Kreß

19.03.2019, Von Uwe Gottwald 

NÜRTINGEN. Soziale Fragen lagen ihm immer am Herzen, vor allem für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen setzte sich Thomas Kreß stets mit Nachdruck ein. Nun verließ ihn die Kraft dafür, vergangenen Dienstag starb der Nürtinger Stadtrat und Diakon. Er wurde 55 Jahre alt.

Thomas Kreß gehörte seit 2004 dem Nürtinger Gemeinderat an und vertrat die SPD-Fraktion im Kultur-, Schul- und Sozialausschuss. „Die SPD ist erschüttert über den plötzlichen Tod ihres Fraktionsmitglieds Thomas Kreß“, teilt dazu der ehemalige Fraktionsvorsitzende Dr. Hans-Wolfgang Wetzel mit. In die Partei eingetreten war Kress bereits 1988.

Als Gemeinderat widmete sich Kreß vor allem jugendpolitischen Themen. Als Mitglied im Verkehrsausschuss kümmerte er sich um Fragen der Sicherheit. Auch beruflich war Kreß im Auftrag seines Arbeitgebers, der Evangelischen Kirche, für die er seit 1989 tätig war, nahe dran am Alltag junger Menschen. Als Diakon der Nürtinger Kirchengemeinde war er sozialpädagogisch in der offenen Jugendarbeit tätig, sei es im Jugendtreff „Big Bang“ im evangelischen Jugendhaus an der Steinenbergstraße oder im Jugendtreff „Pegasus“ im Roßdorf, den er im Stephanushaus aufbaute.

Dabei agierte er nicht im Alleingang, sondern suchte immer auch den Kontakt zu anderen Institutionen und Initiativen, brachte sich in die Jugendagentur der Stadt und in andere Netzwerke von Sozialarbeitern ein. Letztlich war ihm jedoch seine Freiheitsliebe viel wert, er verließ sich auf sein großes Gespür, auch Menschen zu erreichen, die am Rande der Gesellschaft stehen, erinnert sich der Nürtinger Dekan Michael Waldmann. Kreß’ Fähigkeit, Mitgefühl zu entwickeln, habe ihm den Zugang zu Jugendlichen und ihren Anliegen geöffnet, auch zu denen, die von anderen nicht mehr erreicht werden. Dabei brachte er auch seine eigene Lebensfreude ein, zum Beispiel als Liebhaber irischer Folklore oder als passionierter Motorradfahrer mit einer Harley-Davidson.

In der Kooperation kirchlicher Jugendarbeit und Schule organisierte er unter anderem Fahrten mit Jugendlichen zu den ökumenischen Jugendtreffen nach Taizé. Als legendär bekannt sind die Ferienlager an der evangelischen Versöhnungskirche, die er jahrelang bis 2010 leitete. Dort verbrachten Hunderte von Kindern nicht nur erlebnisreiche Ferientage, sondern profitierten auch von Kreß’ Einfühlungsvermögen. Christlicher Glaube und christliche Werte waren ihm wichtig, ohne sie demonstrativ vor sich herzutragen. Nächstenliebe praktizierte er im alltäglichen Miteinander. Einzig augenfällig war das Kreuz, dass er stets am Band um seinen Hals trug.

Seit 2012 war Kreß für den Verein Heimstatt tätig und kümmerte sich um die Belange von Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Dabei musste er wegen seiner Erkrankung zwar kürzertreten, was seinem Engagement aber keinen Abbruch getan hat.

Auch in der SPD war er noch bis zuletzt aktiv. „Thomas brachte sich engagiert bei der Aufstellung des Programms für die anstehenden Kommunalwahlen ein“, betont Fraktionsvorsitzende Kehl-Maurer. Die SPD trauere mit seiner Frau, der ehemaligen Roßdorfer Grundschulrektorin Iris Herbst.