Zwei, die sich mögen

Jörg Bauknecht und Jürgen Knodel erzählen von den Meilensteinen des Großprojekts Martin-Luther-Hof

Jürgen Knodel, Vorstand Stiftung Tragwerk (links), und Jörg Bauknecht, Kirchenpfleger und Finanzverwalter

NÜRTINGEN (jkz). Jörg Bauknecht, Kirchenpfleger und zuständig für die Finanzverwaltung, war schon 2012 dabei, als die ersten Ideen für eine Sanierung des Geländes rund um die Lutherkirche entstanden. Jürgen Knodel, einer von zwei Vorständen der Stiftung Tragwerk, kam dazu, als die Finanzierung schon weitgehend stand. Die beiden erzählen, wie zwei sich fanden, einem gemeinsamen Projekt auf die Füße zu helfen.

Auch wenn die Handwerker noch zugange sind, sieht man, dass sich die Bauphase dem Ende zuneigt. Wie werden Sie feiern?

Bauknecht: Bis die letzten Handwerker aus dem Haus sind, wird es sicher erst Ende des Jahres. Doch wir hatten gestern unsere erste Bauausschuss-Sitzung in dem Raum, in dem wir gerade sitzen – das haben wir mit einer Flasche Sekt gefeiert.

Knodel: Wir von der Stiftung Tragwerk feiern bei der Einweihungsfeier, denn erst vor wenigen Tagen ist auch das letzte Team eingezogen.

Herr Bauknecht, weshalb hat die Luthergemeinde dieses Großprojekt vor fünf Jahren initiiert?

Bauknecht: Seit Jahren beobachten wir einen Rückgang unserer Gemeindemitglieder. Es zeichnete sich ab, dass wir auf diese Entwicklung reagieren müssen, da wir sonst in einen finanziellen Engpass geraten. Also überlegten wir, welche Möglichkeiten für ein Immobilienkonzept es gibt und haben uns einen Partner für die Umsetzung gesucht. Da kam die Stiftung Tragwerk ins Spiel.

Wie haben Sie die Finanzierung des Baus gestemmt?

Bauknecht: Den größten Teil haben wir über den Verkauf eines Teils des Grundstücks an die Stiftung Tragwerk finanziert. Natürlich bekamen wir Zuschüsse von der Landeskirche und haben zum Beispiel für die Sanierung der Orgel Spenden gesammelt.

Knodel: Wir werden durch Fördermittel des Bundes sowie einen Zuschuss der Stadt Nürtingen gefördert, den Rest finanzieren wir über den laufenden Betrieb sowie über Raumvermietungen an Kirche und Landratsamt. Den Spielplatz konnten wir dank großzügiger Spenden, für die wir sehr dankbar sind, bauen.

Welche Hürden gab es in der Planung und in der Bauphase?

Bauknecht: Gleich zu Beginn des Projektes machten uns Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg die Planung schwer. Aus denen ließ sich vermuten, dass sich Blindgänger auf dem Gelände befinden könnten. Das bedeutete, dass an jedem Tag der Fundamentierung der Kampfmittelbeseitigungsdienst auf der Baustelle stand und beobachtete, was bei dem Aushub zutage getragen wurde.

Knodel: Daneben gab es natürlich die ein oder andere Vorschrift für den Kindergarten, die viel Überzeugungsarbeit und hier und da Mehrkosten verursachten. So war lange unklar, ob der zentrale Eingang in den Martin-Luther-Hof auch vom Kindergarten genutzt werden dürfe oder nicht.

Wie behält man den Überblick bei einem solchen Großprojekt mit mehreren Parteien, die besondere Wünsche haben?

Bauknecht: Wir haben von Anfang an die Räumlichkeiten nach den Eigentumsverhältnissen getrennt und gleichzeitig versucht, für die Leistungen die gleichen Handwerker zu engagieren. Das ist uns größtenteils auch gelungen. So hat jeder eine Übersicht seiner Ausgaben und ist auf der sicheren Seite. Wir bei der Gemeinde, die das Projekt zu einem großen Teil ehrenamtlich begleiteten, haben einen zehnköpfigen Bauausschuss gebildet. In der heißen Phase hat sich die gemeinschaftliche Projektgruppe beider Partner 14-täglich zusammen mit dem Architekturbüro getroffen.

Knodel: Es war oft nicht leicht, die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Nutzungen unter einen Hut zu bringen. Brandschutz- und Sicherheitsanforderungen mit pädagogischen Erfordernissen in Einklang zu bringen, ist manchmal ein mühsames Geschäft. Durch die gute und konstruktive Zusammenarbeit in der Projektgruppe konnte am Ende jedoch für alles eine Lösung gefunden werden. jkz