Neuer Platz für Nürtinger Kindergartengruppen

Stadt Nürtingen strebt die Anmietung des evangelischen Laurentius-Gemeindehauses an – Platz für zwei Gruppen im Erdgeschoss

Im Untergeschoss des evangelischen Laurentius-Gemeindehauses könnten bald zwei Kindergartengruppen Einzug halten. Foto: Haußmann

17.04.2020 05:30, Von Uwe Gottwald 

Das evangelische Laurentius-Gemeindehaus in Nürtingens Stadtmitte steht seit einigen Monaten leer. Zum Ende vergangenen Jahres waren die Mietverträge mit der Stiftung Tragwerk und dem Landratsamt ausgelaufen. Nun zeigt die Stadt Interesse, das Gebäude anzumieten und dort möglichst bald zwei Kindergartengruppen einzurichten.

NÜRTINGEN. Das Gebäude zwischen Johannesstraße und Steinenbergstraße war in den letzten Jahren zum größten Teil an die Kirchheimer Stiftung Tragwerk vermietet. Auch das Landratsamt hatte dort eine Außenstelle seines sozialen Dienstes, der dort Aufgaben der Jugendhilfe wahrgenommen hat. Die Stiftung Tragwerk ist ebenfalls Träger von Jugendhilfeeinrichtungen und Kindertagesstätten im ganzen Kreis Esslingen. Im Laurentius-Gemeindehaus unterhielt sie eine Erziehungshilfe- und Beratungsstelle. Wie auch das Team des Landratsamts ist die Erziehungshilfeeinrichtung der Stiftung umgezogen in das neu erstellte Gebäude im evangelischen Gemeindezentrum Martin-Luther-Hof in der Jakobstraße. Dort entstand auch eine von der Stiftung betriebene Kindertagesstätte, die das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen in Nürtingen ergänzt.

Dennoch fehlt es in Nürtingen an Plätzen zur Kinderbetreuung, betont Sven Singler, der Leiter des Nürtinger Amtes für Bildung, Soziales und Familie. Im Laurentius-Gemeindehaus biete sich der Saal im Erdgeschoss dafür an, auch das Untergeschoss mit seinem Bewegungsraum könnte einbezogen. Dazu bräuchte es allerdings einige Umbaumaßnahmen, um den Anforderungen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales, der die Genehmigungen zum Betrieb erteilt, gerecht zu werden. Genutzt werden könnte auch ein Teil des Außenbereichs, der nicht vom benachbarten evangelischen Jugendhaus beansprucht wird.

Singler ebenso wie der Nürtinger Dekan Michael Waldmann als Geschäftsführer des Gesamtkirchenbezirks bestätigen, darüber in guten Gesprächen zu sein. Sowohl der Kirchengemeinderat als auch der Nürtinger Gemeinderat hätten ihre grundsätzliche Zustimmung zu der angedachten Lösung gegeben. Vorgesehen ist eine Vermietung für zunächst zehn Jahre.

Amtsleiter plant Zusammenfassung von Sachgebieten

In einem weiteren Schritt kann sich Singler vorstellen, Sachgebiete aus dem sozialen Bereich unter dem Dach des Gemeindehauses zusammenzubringen, die räumlich im Stadtgebiet verstreut sind. „Wir haben unseren städtischen sozialen Dienst in der Bahnhofstraße, das Integrationsbüro in der Gerberstraße und zwei Stellen für das Integrationsmanagement, die im Moment noch in der Anschlussunterbringung im Gebäude der IHK in der Bismarckstraße untergebracht sind“, so Singler. Das Integrationsbüro ist Wegweiser für Menschen mit Migrationshintergrund, unterstützt Ehrenamtliche, vermittelt unterstützende Angebote und initiiert und betreut selbst Projekte. Das Migrationsmanagement, gefördert vom Sozialministerium, kümmert sich um Einzelfälle, zum Beispiel beim Einstieg in die Arbeitswelt. Darüber hinaus gibt es Schnittstellen zum sozialen Dienst als Anlaufstelle für Menschen jeglicher Herkunft, die in soziale und finanzielle Not geraten sind. Diese städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermitteln Hilfemöglichkeiten und leisten selbst konkrete Unterstützung, etwa bei Antragstellungen.

Wegen der thematischen Überschneidungen biete sich eine noch engere Zusammenarbeit und so auch eine räumlich Nähe an. Das strebte Amtsleiter Singler bereits an, als es um die Zukunft des Äußeren Werkhauses in der Metzinger Straße ging. Das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude für diesen Zweck zu sanieren stellte sich jedoch als zu teuer heraus.

Dafür böte sich nun das Gemeindehaus an, meint Singler, zumal der Mietvertrag mit der IHK, die nach ihrem Umzug in das Stadtportal in der Mühlstraße ihr nicht mehr benötigtes Gebäude der Stadt für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellte, demnächst ausläuft. Das städtische Gebäude in der Gerberstraße könnte wieder als Wohnraum genutzt werden.