Musikalischer Genuss für den guten Zweck

Sänger und Instrumentalisten spielen in der Stadtkirche zugunsten des Martin-Luther-Hofes

Sänger und Instrumentalisten spielen in der Stadtkirche zugunsten des Martin-Luther-Hofes In der St.-Laurentius-Kirche traten die Musiker auf, um Geld für den Martin-Luther-Hof zu sammeln. Foto: Wendang

21.01.2019, Von Reiner Wendang

NÜRTINGEN. Zu einem Benefizkonzert für den Martin-Luther-Hof hatten sich am frühen Samstagabend Bläser und Chorsänger in der Stadtkirche zusammengetan. Pfarrerin Barbara Brückner-Walter begrüßte die Besucher und erzählte vom Baufortschritt und der zukünftigen gemeinsamen Arbeit mit der Stiftung Tragwerk.

Neben vier Kindergartengruppen sollen am Martin-Luther-Hof auch weitere Projekte der Kinder- und Jugendhilfe eine Heimat finden. Und nicht nur als neues Probedomizil der Nürtinger Kantorei sollen von hier aus Impulse für das kulturelle und soziale Leben in Nürtingen ausgehen.

In die St.-Laurentius-Kirche war keine Geringere als die Königin von Saba eingezogen – natürlich nur musikalisch in Händels Vorlage für die vier Blechbläser, die sich s’Blechle nennen. Ihr feierliches virtuoses Barockstück machte den Anfang von über einer Stunde wunderschöner Kirchenmusik in abwechslungsreicher Folge, für die sich Pfarrerin Brückner-Walter herzlich bedankte.

Auch das weitere Programm stand unter dem Motto preisen und danken. „Laudate pueri“ von Mendelssohn Bartholdy erklang von der Empore, ruhig bewegt und von klaren Frauenstimmen vorgetragen, die mit der Orgel verschmolzen. Auch der nächste Blechbläservortrag war von Abwechslung gezeichnet, obgleich beide Stücke aus dem 16. Jahrhundert stammen, dominierten einmal statische Klangsäulen, einmal flotte Sechs-Zehntel-Läufe.

Dann füllte sich der vordere Kirchenraum mit der Nürtinger Kantorei, die in der Bachmotette „Sei Lob und Preis mit Ehren“ einen homogenen zentrierten Klang zeigte. Überhaupt klang alles wunderbar an diesem Abend, wie auch die  Orgel,  die  die  Soloflöte  in  Bachs h-Moll-Suite nie übertönte.

Die Solistin Amanda Chominsky interpretierte sehnend ausblickende und innerlich gründende Melodien, solche, die weit ausgreifen oder wie ein Vögelchen die begleitende Orgel hinter sich lassen wollen. Der letzte Teil der Suite war ein Hit: Mit viel Spielfreude erklang die heitere, vielgehörte Badinerie. Ähnliches galt für das darauffolgende Stück, welches s’Blechle spielte. Aus John Williams Star Wars Filmmusik hatten sie sich das beswingte „Cantina Band“ ausgesucht und glänzten damit.

Das Vokalensemble „capella laurentiana“, war mit seinen sieben Damen und drei Herren zu sehen und preiste Gottes Schöpfung in John Rutters „All things bright and beautiful“.

Wieder weniger für das Auge (weil oben von der Empore), dafür umso mehr für das Ohr bot Ernst Blochs modale Suite für Flöte, in der die Orgel das ursprünglich gedachte Klavier bestens ersetzte.

Dann sicher ein Höhepunkt: Thomas Tallis fast 500 Jahre alter Lobgesang, der vom großen Chor und der Orgel erklang und in Teilen von den Kirchenbesuchern mitgesungen wurde. Es wurde noch einmal ruhiger in John Rutters „A Gaelic blessing“ vom Vokalensemble wundervoll fließend vorgetragen, ehe die gesamte Kantorei in der sich schön steigernden Choralkantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Mendelssohn Bartholdy alles gab.

Vor dem letzten Stück erteilte die Pfarrerin allen den Segen. Anschließen trugen die s’Blechle-Bläser das Spiritual „Michael, row the boat ashore“ vor. Bei dem, im Text vorkommenden Halleluja haben sicherlich alle innerlich mitgesungen.