Landesbischof predigt vor der Nürtinger Stadthalle

Landesbischof Frank Otmar July predigt am Festgottesdienst bei der Stadthalle vor 99 Besuchern

Mit dem Segen beschloss Landesbischof Frank Otmar July den Festgottesdienst vor der Stadthalle mit 99 Gläubigen. Foto: Krytzner

 

Nürtinger Zeitung; Thomas Krytzner

Weil Corona den Bezirkskirchentag verhinderte, fiel auch der Abschlussgottesdienst vor der Stadthalle K3N mit über 1000 Teilnehmern aus. Der Landesbischof von Württemberg, Frank Otmar July, hielt am versprochenen Besuch in Nürtingen fest. Vor 99 Gläubigen predigte er am gestrigen Festgottesdienst auf der Kulturbühne.

Die Sonne strahlte am Sonntag mit den Geistlichen und den Gottesdienstbesuchern um die Wette. Dekan Michael Waldmann freute sich, dass Landesbischof July zum Festgottesdienst kam, um die Predigt zu halten. Geplant war sein Besuch für den Abschlussgottesdienst des Bezirkskirchentags. Doch die Corona-Pandemie machte auch dieser Veranstaltung einen Strich durch die Rechnung. Deshalb entschied sich Dekan Michael Waldmann mit seinem Team für einen Festgottesdienst im Kirchenbezirk Nürtingen. Statt der ursprünglich über 1000 Besucher, durften wegen der Coronaverordnung jedoch nur 99 Gläubige am Gottesdienst teilnehmen. Für die daheimgebliebenen wurde die Feier vom Bezirksjugendwerk Nürtingen online live übertragen. Mit dem Lied „Danke für diesen guten Morgen“ eröffnete man gemeinsam – unter Einhaltung der Maskenpflicht – den Festgottesdienst. Nach dem gemeinsamen Psalm und einem stillen Gebet hielt Bezirkskantor Hanzo Kim die Gottesdienstgemeinde auf Trab. Mit einem sogenannten Body Kanon durften sich die Besucher mit Stampfen, Klatschen und Singen am Gottesdienst beteiligen.

Die Taufe als Bekenntnis

Landesbischof Frank Otmar July nannte in seiner Predigt die erste Berührung junger Menschen mit der christlichen Gemeinschaft. „Bereits mit der Taufe rief Gott uns beim Namen.“ Später, im eigenen Konfirmandenunterricht, so erinnerte sich der Landesbischof, habe der Pfarrer die Jugendlichen aufgerufen, „Ich bin getauft“ mit Kreide auf einen Tisch zu schreiben. Diese Verlässlichkeit begleite ihn bis heute, führte Frank Otmar July weiter aus. „Gerade jetzt in den Krisenwochen verstanden wir, wie wichtig es ist, dass Menschen nach einem schauen und beistehen.“ In den Tagen voller Zweifel, wo man sich frage, wo das mit Corona hingeht, könne man sich auf die Treue Gottes verlassen. „Die Worte der Bibel haben durchaus mit dem Alltag des Lebens zu tun“, predigte July. Man brauche jemanden, der in diesen schweren Tagen Orientierung bietet. „Wir sollten uns dabei nicht nur an die gute alte Zeit erinnern, sondern auch an die eigene Taufe.“

Der Landesbischof sprach am Festgottesdienst auch die zunehmenden Austritte aus der evangelischen Landeskirche an. „Viele Jugendliche sagen, dass sie die Sprache der Kirche nicht verstehen.“ Er forderte die Geistlichen im Lande auf: „Wir müssen in Zukunft vielstimmig von Gott sprechen, ohne dabei die Tradition zu verraten. Die Landeskirche steht vor starken Herausforderungen.“

Frank Otmar July stellte die Verrohung der Sprache fest. „Wir müssen die Herzenssprache neu beginnen“, rief er die Teilnehmer am Festgottesdienst auf. Viel Lob bekam der Nürtinger Kirchenbezirk vom Landesbischof: „Mit den Jugendlagern, dem vielseitigen Musikangebot und dem Engagement für ältere Mitbürger gibt es einen großen Katalog an Leistungen der Kirche in Nürtingen.“ July versicherte in seiner Predigt: „Der Glaube ermöglicht lebendige Beziehungen.“ Passend zur Predigt spielte die Band, bestehend aus Bezirkskantor Hanzo Kim am E-Piano, David Masen (Gesang), Daniel Präger am Saxofon und Lukas Siegler (Cajón) „Wasser des Lebens“ nach der Melodie von „Morning has broken“.

Pfarrerin Muriel Sender sprach die Fürbitten, bevor Landesbischof July zum Abschluss des Festgottesdienstes den Segenswunsch sprach. Einige Mitglieder des Posaunenchors Nürtingen umrahmten unter der Leitung von Matthias Mangold die Feier musikalisch. Die Kollekte des Festgottesdienstes ins Nürtingen geht an das Kompetenzzentrum von Denis Mukwege, das sich um Frauen in der Demokratischen Republik Kongo kümmert.