Würdevoller Abschied in der Stadtkirche

Ellen Gneiting zieht sich vom Vorsitz der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde zurück – Brenz-Medaille verliehen

Im Sonntagsgottesdienst wurde Ellen Gneiting als Vorsitzende der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde verabschiedet – für ihr Engagement überreichte ihr Dekan Michael Waldmann die Brenz-Medaille. Foto: Ehehalt

02.03.2020 05:30, Von Gerlinde Ehehalt
Dekan Michael Waldmann gestaltete am Sonntagvormittag einen feierlichen Gottesdienst für Ellen Gneiting, die sich nach zwölf Jahren aus dem Vorsitz der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde zurückzieht. Für ihre großen Verdienste erhielt die Nürtingerin die Johannes-Brenz-Medaille der Evangelischen Landeskirche verliehen.

NÜRTINGEN. „Es ist eine große Ehre für mich. Ich bin total platt“, verriet Ellen Gneiting den Gottesdienstbesuchern in ihrer Abschiedsrede. Dekan Michael Waldmann hatte in der voll besetzten Stadtkirche ihr jahrelanges Engagement für die evangelische Kirche nicht nur mit innigen Dankesworten gewürdigt, sondern Gneiting als besondere Ehrung die Brenz-Medaille des Landesbischofs Frank Otfried July übergeben. Es sei eine der höchsten Auszeichnungen der Landeskirche, sagte Dekan Waldmann. „Mit dieser Medaille werden Personen geehrt, die sich über viele Jahrzehnte hinweg um das Wachsen und den Erhalt der Gemeinschaft im Leben einer Kirchengemeinde eingesetzt haben.“

Genau dies habe Ellen Gneiting in all den Jahren ihres Wirkens getan und sei damit zum Gesicht der evangelischen Kirche von Nürtingen geworden, so der Dekan. Als gebürtige Nürtingerin verfüge sie über ein großes Netzwerk, trage sozusagen die DNA dieser Stadt in sich. „Die Gemeinschaft der vier Kirchengemeinden der Gesamtkirchengemeinde sah sie stets als Einheit. Doch Ellen Gneiting kümmerte sich auch um die scheinbar kleinen Dinge, war stets mit allen im Gespräch und gewann durch ihre umsichtige und freundliche Art die Menschen, um die Kirchengemeinde nach vorne zu bringen“, lobte Waldmann.

Bei ihr wirke das Prinzip des evangelischen Leitens – nicht mit Macht etwas durchsetzen zu wollen, sondern mit der Kraft der Worte. Dies sei Ellen Gneiting in den zwölf Jahren trefflich gelungen. „Sie blieb nicht nur mit allen kirchlichen Gremien im Gespräch, pflegte auch einen engen Kontakt zu den Verwaltungsspitzen“, sagte Dekan Waldmann und begrüßte Oberbürgermeister Johannes Fridrich, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Astrid am Abschiedsgottesdienst für Ellen Gneiting teilnahm.

Gneiting war von 1995 bis 2007 im Kirchengemeinderat der Versöhnungskirche und übernahm im Jahr 2001 dessen Vorsitz. Seit 2008 ist Gneiting 2008 Mitglied des Kirchenbezirksausschusses, saß im großen Vorstand des Hauses der Familie, kümmerte sich verantwortlich um die Herausgabe des Gemeindebriefs, das Ferienlager, den Posaunenchor, um die Kontakte zum Gospelchor und um die Sprachhilfe.

Ellen Gneiting sei die Vertreterin der evangelischen Kirche bei „Licht der Hoffnung“, der Weihnachtshilfsaktion der Nürtinger Zeitung, sagte Waldmann. Und sie sei stets eine entschiedene Vertreterin des Immobilienkonzeptes gewesen, das die Verkäufe der Auferstehungskirche und des Pfarrhauses im Roßdorf wie auch die Sanierung des Jugendhauses, der Versöhnungskirche und des Martin-Luther-Hofes ermöglichte. „Dafür wurde sie oft persönlich angefeindet“, sprach der Dekan auch weniger leichte Zeiten in Gneitings Amtszeit an.

„Für sie als Steuerfrau der Gesamtkirchengemeinde war es selbstverständlich, für die Kirche im öffentlichen Raum einzutreten und auch mal unbequeme Dinge anzusprechen und durchzuführen“, betonte der Dekan. Dank ihr befänden sich heute alle Gebäude der Gesamtkirchengemeinde in gutem, sanierten Zustand. Für ihre unermüdliche Tatkraft habe sie vollen Respekt verdient. „Die Zukunft der evangelischen Kirche liegt Ellen Gneiting sehr am Herzen“, erklärte Michael Waldmann.

„Die Arbeit in der Gesamtkirchengemeinde war nicht immer einfach“, gab sie zu. „Es ging stets um den Erhalt der Kirchenstandorte. Das war nur möglich durch den Verkauf der Auferstehungskirche.“ Sie danke Dekan Waldmann, den Mitgliedern der Gesamtkirchengemeinde und Kirchenpfleger Jörg Bauknecht für die jahrelange Unterstützung. Vor allem Bauknecht sei der Regieführer für den Erhalt der Kirchenstandorte gewesen, erklärte Gneiting. „Ich wünsche mir, dass die Kirche ein wichtiger Bestandteil des Nürtinger Stadtlebens bleibt“, hoffte die scheidende Vorsitzende und bezeichnete sich selbst schmunzelnd als eines der letzten Urgesteine der Gesamtkirchengemeinde.