„Jeder fühlt sich pudelwohl“

Im Ferienlager der Gesamtkirchengemeinde Nürtingen an der Versöhnungskirche erleben mehr als 350 Kinder täglich Neues

Sogar eine Hüpfburg wurde den Kindern an einem Tag im „Fela“ geboten. Foto: Neumann

Schon zum 69. Mal findet derzeit das evangelische Ferienlager rund um die Versöhnungskirche in Nürtingen statt. Zwei Wochen lang werden Kinder und Jugendliche bespaßt und unterhalten.

NÜRTINGEN. Obwohl auf der Wiese vor der Nürtinger Versöhnungskirche Zelte aufgebaut sind, findet dort kein Zeltlager statt, sondern das Ferienlager „Fela“ der Nürtinger Gesamtkirchengemeinde. Für jeweils zwei Wochen treffen sich hier täglich die Teilnehmer und ehrenamtlichen Betreuer – geschlafen wird zu Hause. Die Zelte dienen lediglich als Rückzugsort für die Mittagspause und als Ablageplatz.

Für 205 Kinder und 33 Betreuer endete das Fela gestern, am Montag werden weitere 140 Kinder und 23 neue Betreuer in das zweiwöchige Abenteuer starten. Evi Handke, Gesamtleiterin des Fela, findet es unglaublich, wie viele immer ehrenamtlich beim Fela helfen. Die meisten der Betreuer seien seit mehreren Jahren dabei und waren früher selbst Teilnehmer. „Alle geben mindestens 120 Prozent, damit die Kinder tolle Sommerferien haben.“

Das Fela ist verbunden mit viel Vorbereitungszeit und Planung. Monate zuvor werden in Workshops und Sitzungen Spiele, Unternehmungen oder Organisatorisches erarbeitet. Handke wird von einem dreiköpfigen Leitungsteam unterstützt. „Sie haben alles im Griff, treffen die großen Entscheidungen und behalten immer den Überblick“, erklärt sie.

Der Fokus des Fela liegt auf der Gemeinschaft

Jeden Morgen um 8.30 Uhr trifft sich die riesige Truppe zum gemeinsamen Frühstück im Gemeindehaus im Breiten Weg. Rund eine halbe Stunde später findet für alle das sogenannte „Morgenlied“ statt. Dabei werden Lieder gesungen und ein Theater aufgeführt, welches über die zwei Wochen hinweg eine fortlaufende Geschichte erzählt. „Tor in eine andere Welt“ lautet das Motto des Fela in diesem Jahr, und im Theater geht es um ein Mädchen, das den Fluch einer Hexe, die die Welt eintönig und grau macht, zu brechen versucht. Dabei reist sie in verschiedene Fantasiewelten und holt sich Hilfe von Trollen, Einhörnern und anderen mystischen Wesen. „Wir wollen damit vermitteln, wie schön es ist, dass jeder Mensch anders ist. Und dass man nur gemeinsam ans Ziel kommt“, so Handke.

Nach dem Morgenlied beginnt das Vormittagsprogramm in kleineren Gruppen. Jeweils zwei bis drei Betreuer planen dafür ein Programm für je bis zu 20 Kinder. Die Gruppen werden nach Alter eingeteilt und bestehen über die gesamte Zeit des Fela. Nach dem gemeinsamen Mittagessen und der Mittagspause geht es um 14 Uhr in den Kleingruppen weiter. „Geländespiele, Sport, Bastelangebote und vieles mehr: Unsere Betreuer werden sehr kreativ und bieten den Kindern ein buntes und abwechslungsreiches Programm“, fasst Evi Handke zusammen und ergänzt: „Hauptsache, die Kinder sind draußen in der Natur.“ Dafür wird auch der angrenzende Wald gerne und häufig genutzt.

Um 17 Uhr gibt es das gemeinsame Abendessen. Dabei wird auf Ausgewogenheit und Frische der Mahlzeiten geachtet. Am Tisch stimmen die Kinder lauthals in das Lied ein, das vor dem Essen gesungen wird. Wasser und Tee steht den ganzen Tag über ausreichend zur Verfügung.

Zum Abschluss eines Tages versammeln sich wieder alle Teilnehmer und Betreuer gemeinsam im Hof der Versöhnungskirche zum Abendlied, bei dem wieder gesungen wird und jeweils eine Gruppe einen Tanz aufführt, etwas vorspielt oder eine Quizshow veranstaltet.

Im Ferienlager herrschen ganz eigene Regeln

„Außerdem findet dann die Ehrung zum Betreuer des Tages statt“, sagt Handke, was aber nicht ausschließlich mit Freude für den Betreuer verknüpft sei. Wer zum Betreuer des Tages gewählt wurde, der muss am folgenden Tag ein Kostüm anziehen und versuchen, sich dies nicht von den Kindern wegnehmen zu lassen. „Meistens schaffen die Kinder das aber ziemlich schnell“, sagt Handke und lacht. Am Abend wartet auf den Betreuer dann seine Bestrafung: Ein Lied vorsingen oder sich Bart und Haare mit Fingerfarbe färben lassen – „für die Kinder ist das jeden Abend ein Riesenspaß.“

Die Veranstalter sind dankbar, die Räumlichkeiten an der Versöhnungskirche verwenden zu können. Die Bedingungen seien optimal für das Fela.

Evi Handke hat dabei immer alles im Blick, kennt jedes der Kinder und weiß auf alle Fragen eine Antwort. Das Besondere am Ferienlager, so die 39-Jährige: „Der Zusammenhalt. Die Kinder und die Betreuer schweißt das Fela eng zusammen.“

Tränen fließen bei der Verabschiedung nach zwei Wochen immer viele. „Hier entstehen viele Freundschaften. Jeder darf kommen – und jeder fühlt sich pudelwohl.“