Nürtinger Vesperkirche wurde eröffnet

Am gestrigen Sonntag wurde das Begegnungsangebot der evangelischen Kirche und des Kreisdiakonieverbands gestartet

Pfarrerin Barbara Brückner-Walter und Dekan Michael Waldmann (beide links) eröffneten gemeinsam mit Eberhard Haussmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes (Bildmitte vor dem Mikrofon) und Mitarbeitern und Gästen die Vesperkirche in der Lutherkirche. Foto: Fritz

27.01.2020 05:30, Von Rudi Fritz

„Gemeinsam an einem Tisch“ heißt es seit gestern wieder insgesamt 22 Tage lang bei der Nürtinger Vesperkirche. Nach einer baubedingten Pause kehrte die Traditionsveranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde Nürtingen und des Kreisdiakonieverbands Esslingen nun wieder in die angestammten – jetzt neu renovierten – Räume in der Lutherkirche zurück.

NÜRTINGEN. Nach der schwungvollen musikalischen Eröffnung durch Manuela Häberle, Harald Schneider und Marcel Nyam a Mbamba begrüßte die Hausherrin, Pfarrerin Barbara Brückner-Walter die zahlreichen Besucher des Eröffnungsgottesdienstes. „Möge unsere Vesperkirche zu einem Ort werden, wo wir uns in einer immer kälter werdenden Gesellschaft Wärme geben können“, forderte Brückner-Walter die Gäste auf, sich an den Tischen miteinander bekannt zu machen und gegenseitig ins Gespräch zu kommen.

In der Vesperkirche gibt es keine Berührungsängste

Mit dem Predigttext „Apostelgeschichte 10, Verse 21–35“ eröffnete Dekan Michael Waldmann seine Predigt. „Besser könnte der Text nicht zu Eröffnung der Vesperkirche passen“, fand Waldmann, dass Gottes darin enthaltener Gedanke, „alle Menschen seien rein“, in der Vesperkirche gelebt werde. Bei der Vesperkirche gebe es keine Berührungsängste, alle Menschen säßen miteinander an einem Tisch. In der Realität des Lebens sehe das aber leider oft anders aus. Es sei daher wichtig, dass man sich mit dem, was die Mitmenschen bewege, wieder mehr beschäftige, und das Gespräch miteinander suche. Solche Begegnungen, bei denen miteinander, statt übereinander gesprochen werde, fänden in der Vesperkirche seit 2008 jeden Tag auf Augenhöhe statt.

„Die Vesperkirche ist notwendiger denn je, denn hier herrscht Liebe statt Hass, Hoffnung statt Weltuntergangsstimmung und Vertrauen anstelle von Verschwörungstheorien“, so der Dekan weiter. Barbara Brückner-Walter, Michael Waldmann, Bärbel Greiler-Unrath, Martina Vorholzer, Renate Baum und Maria Neuscheler brachten in ihren Fürbittegebeten ihre Hoffnung auf ein gutes Gelingen und Miteinander der Vesperkirche zum Ausdruck.

„We are back in town“, freute sich der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, Eberhard Haußmann, über die Rückkehr der Vesperkirche in ihre angestammten Räume an der Jakobstraße. Er eröffnete danach, gemeinsam mit Vesperkirchenmitarbeitern und Besuchern, die symbolisch Kerzen anzündeten, offiziell die Vesperkirche 2020.

Die Leiterin der Vesperkirche, Bärbel Greiler-Unrath, gab danach die Instruktionen zu der in den kommenden Tagen täglich durchschnittlich 300 preisgünstige Mittagessen ausgebenden Veranstaltung. „Heute ist der Praxistest, ob alles klappt“, lud die Vesperkirchen-Macherin die Gäste zum Besuch der festlich gedeckten Tische mit reichlich gefüllten Tellern, duftendem Kaffee und leckerem Kuchen ein.

Wenig später hatte sich bereits eine lange Schlange an der Kasse gebildet. Die Metzgerei Luz lieferte pünktlich die ersten beiden Menüs. Das Essen wurde von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Vesperkirche an den Tischen serviert. Danach gab es als Kulturnachtisch ein musikalisches Boogiestyle-Entertainment von Jens Burggraf, ehe sich schon wieder viele Besucher an der Kaffee- und Kuchenausgabenstelle anstellten. „Wir hatten heute mit 350 verkauften Essen einen furiosen Start“, freute sich Diakonin Bärbel Greiler-Unrath über die gelungene Premiere.

Die Vesperkirche ist bis zum 16. Februar täglich von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr geöffnet, und bietet ab bereits einem Euro jedermann ein täglich wechselndes Mittagessen, Kaffee und Kuchen.