Gemütliche Lesung für den guten Zweck

Für die Benefizlesung in der Nürtinger Vesperkirche haben viele Leserinnen der Oberboihinger Autorin Petra Durst-Benning (Mitte) eine Tombola mit zahlreichen handgemachten Preisen bestückt: (von links) Dagmar Wernhardt, Susanne Kolb, Petra Durst-Benning, Monika Schneider und Sarah Brustkern. Foto: Eisenhardt

Die Bestseller-Autorin Petra Durst-Benning hat in der Lutherkirche gelesen – Der Erlös kommt der Vesperkirche zugute

Nürtinger Zeitung - Katja Eisenhardt

 

Am Freitagabend hat die Oberboihinger Autorin Petra Durst-Benning zur Benefizlesung in die Nürtinger Lutherkirche eingeladen. Mit einer Tombola, einem Bücherverkauf und Spenden kamen über 1800 Euro zusammen, die nun in die wertvolle Arbeit der Vesperkirche fließen.

Im Foyer der Lutherkirche ist ein langer Tisch gut bestückt mit hübsch verpackten, handgearbeiteten Geschenken wie Kissen, kleinen Taschen, Anhängern, Gestricktem und Genähtem, Glaswaren aus Lauscha oder auch Postkarten, gestaltet mit eigenen Fotos und selbst gekochter Kiwimarmelade mit Obst aus dem eigenen Garten. Für die insgesamt 185 Tombola-Preise haben in den vergangenen drei Monaten die Leserinnen der Oberboihinger Erfolgsautorin Petra Durst-Benning fleißig gewerkelt. „Unter meinen Lesern sind viele Handarbeitsfans. Sie wollten etwas zur Benefizlesung beisteuern, deren Erlös der Nürtinger Vesperkirche zugute kommt. So entstand die Idee für die Tombola“, erzählt Durst-Benning. Regelmäßig habe der Postbote in den vergangenen Wochen bei ihr geklingelt und Pakete aus ganz Deutschland vorbeigebracht. „Die Kartons stapelten sich in meinem Büro“, erzählt die Autorin und lacht. Es sei wirklich toll, wie viele sich an der kreativen Aktion beteiligt hätten.

„Durch meine Romane ziehen sich die Themen Freundschaft, Liebe und Solidarität wie ein roter Faden. Das passt zur heutigen Benefizveranstaltung und zum Konzept der Vesperkirche insgesamt“, findet Petra Durst-Benning. Von den zahlreich erschienenen Besuchern wurden fleißig Lose gekauft und am Ende der Veranstaltung freudig und gespannt eingelöst. Diakonin Bärbel Greiler-Unrath ist vom Engagement begeistert: „Die Vesperkirche wird rein aus Spenden finanziert, im Jahr benötigen wir etwa 40 000 Euro. Da ist so eine Aktion natürlich sehr hilfreich.“

Insgesamt drei Wochen – noch bis zum 4. Februar – hat die Vesperkirche geöffnet, die dieses Jahr zum elften Mal in der Lutherkirche stattfindet. Täglich kämen im Schnitt 200 bis 300 Gäste zum Essen, erklärt die Diakonin, „am vergangenen Sonntag waren es sogar 420. Die Bedürftigkeit nimmt auf jeden Fall zu. Dabei geht es aber nicht nur um materielle Gründe. Zu uns kommen auch einsame Menschen. Es kommen auch Gäste, die selbst nicht bedürftig sind und dann das Essen für andere mitbezahlen.“

Beim Lesungsabend konnte beim Kauf der Lose oder mit selbst gewählten Spendenbeträgen für den angebotenen Kuchen und Punsch ausgeholfen werden. Am Ende des Abends kamen so über 1800 Euro zusammen.

Die literarische Reise mit Petra-Durst Benning geht im voll besetzten Saal der Lutherkirche an den Stuttgarter Hof im Jahre 1865. Es ist der sechste Dezember, Nikolaustag. Der angesehene Portraitmaler Franz Xaver Winterhalter ist nach Stuttgart gekommen, um Königin Olga Nikolajewna Romanowa, Tochter des russischen Zaren Nikolaus, zu malen. Titelgebende Hauptfigur der Kurzgeschichte „Die Silhouettenschneiderin“ aus dem 2014 erschienenen Band „Winterwind“ mit insgesamt sechs Kurzgeschichten ist allerdings die Stuttgarterin Margarete Schwanthaler. Am Nikolaustag, der am Hof mit einer Feier begangen wird, soll sie dort Scherenschnitte der Gäste fertigen. Ein wichtiger Auftrag für die Mutter dreier Kinder, die dringend Geld für ihre Miete aufbringen muss. Besondere Aufmerksamkeit schenkt Margarete bei ihrem Auftrag dem Patenkind der Königin, der elfjährigen Wera Konstantinowa, Tochter des Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch von Russland und spätere Herzogin von Württemberg.

„Wera ist bei meinen über 15 historischen Romanen zu meiner Lieblingsfigur geworden“, erzählt Durst-Benning. Daher habe sie sich an diesem Abend für eine Geschichte mit ihr entschieden. Die Zuhörer erfahren an diesem gemütlichen Lesungsabend viele interessante Details zum damaligen Leben am Hof, den Biografien der späteren Herzogin von Württemberg und des aus dem Schwarzwald stammenden berühmten Porträtmalers Franz Xaver Winterhalter oder auch über die Kunst des Scherenschnitts, der für damalige Zeiten, in der es noch keine Fotografie gab, sehr modern war.

Die Nürtinger Vesperkirche in der Lutherkirche, Jakobstraße 17, hat noch bis 4. Februar täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr geöffnet. Die Essensausgabe findet von 12 bis 14 Uhr statt.