Abschlussgottesdienst Bezirkskirchentag

Abschlussgottesdienst des Evangelischen Bezirkskirchentags Nürtingen mit anschließender „Begegnung zur Mittagszeit“ zwischen Kreuzkirche und Stadthalle K3N – den Auftakt des Gottesdienstes gestaltete die Ringerabteilung des VfL Kirchheim. pd

Evangelischer Bezirkskirchentag Nürtingen endet mit zentralem Gottesdienst und „Begegnung zur Mittagszeit“

Nürtinger Zeitung - Peter Dietrich

 

Die Schaukämpfe waren kein Zufall, sondern hatten einen echten theologischen Hintergrund. Statt wie geplant im Freien begrüßte Dekan Michael Waldmann die vielen Gottesdienstbesucher aus 28 Kirchengemeinden in der Stadtkirche. „Wenn Sie um 7 Uhr im strömenden Regen gestanden hätten, hätten Sie so entschieden wie wir“, sagte er.
Während des Gottesdienstes tröpfelte es dann nochmals, doch für die anschließende „Begegnung zur Mittagszeit“ draußen zwischen Kreuzkirche und Stadthalle K3N war es wieder trocken. „Lass dir was zuMUTen“ war das Motto des Gottesdienstes. „Wir können die Zumutungen unserer Zeit nur bewältigen, wenn wir näher zusammenrücken und uns gegenseitig den Rücken stärken“, sagte der Dekan.
Für den Gottesdienst hatte der Kirchenbezirk vom Bezirksbläserchor über den Bezirksprojektchor bis zur Bezirksprojektband mit Piano, Saxofon und Schlagzeug so einiges aufgefahren. Als Bibeltext lag ein Abschnitt aus 1. Mose 32 zugrunde: Der biblische Stammvater Jakob, wird dort erzählt, kämpft eines Nachts mit Gott und lässt nicht locker, bis er von Gott gesegnet wird.
Die Predigt hielt die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold. Dass Jakob in der Erzählung zuerst mit seiner Familie durchs Wasser zieht, nahm sie zum Anlass für einen aktuellen Kommentar zu dem, wofür Christen einstehen sollten: „Niemand darf absaufen. Wo ein Mensch um sein Leben kämpft, da müssen wir helfen, da ist ein Mensch nur Mensch, unabhängig davon, woher er kommt, woran er glaubt und was ihn in die Untiefen des Meeres hineingetrieben hat.“ Sie rief dazu auf, „dass wir uns wehren gegen die Barbarei in der Sprache und in der Tat. Wer das nicht tut, hat das Recht verwirkt, sich Christ zu nennen und sich auf Gott zu berufen, dessen Name Barmherzigkeit ist. Es gibt keine Alternative für uns Christen. Das ist keine Zumutung, sondern eine Selbstverständlichkeit.“
Anschließend beschrieb die Prälatin den Stammvater Jakob als einen äußerlich erfolgreichen Menschen, der aber im Zwist mit seinem Bruder Esau lebte, seine Familie hintergangen hatte, der verstoßen wurde und geflohen war. Er hatte betrogen und sich den Segen des Erstgeborenen erschlichen, später wurde er dann selbst mit der falschen Frau betrogen.
In der Nacht holen ihn die dunklen Schatten ein. Jakob ist allein und ringt in der Dunkelheit mit Gott, in der Folge muss er später hinken. „Was ringt mit uns? Wir kennen doch die Enttäuschung und die Bitterkeit über das Scheitern und die Krankheit. So, als bekämen man von Gott noch eins auf die Hüfte.“ Manchmal sei eine ganze Nacht nötig, das auszuhalten und sich nicht wegzuducken, an dem Gott festzuhalten, der uns nicht loslässt.
Die gemeinsamen Lieder waren zum Teil sehr flott, doch die augenscheinlich geübte Gemeinde kam dennoch gut mit. Die musikalische Gesamtleitung hatte Bezirkskantorin Angelika Rau-Čulo, die Liturgie und das Abendmahl wurden von vielen Geistlichen gemeinsam gestaltet. Das Brot für das Abendmahl hatte das Evangelische Jugendwerk gebacken.
Harmonischer Abschluss des Bezirkskirchentages
Noch viel mehr Beteiligte gab es bei der anschließenden „Begegnung zur Mittagszeit“ im Freien. Das Essensangebot war sehr international und reichte von Maultaschen mit Kartoffelsalat bis zu iranischem Hackfleisch mit grünen Bohnen und zum arabischen Bulgur-Linsengericht mit Röstzwiebeln und Salat. Cappuccino, Latte Macchiato, Espresso, Kaffee und Tee gab es vom Weltladen und am Cafémobil des Kreisdiakonieverbands. Den Beerentraum steuerte das evangelische Ferienlager bei.
Dazu gab es draußen und im Foyer der Stadthalle Informationen vom Evangelischen Bildungswerk, vom Bezirksarbeitskreis Frauen, von der Senioren- und Jugendarbeit und vielen mehr. Die Diakonische Bezirksstelle und der Diakonieladen begannen mit einer Umfrage zum in einigen Jahren absehbaren Umzug in die neue Bahnstadt: Was sind die Bedürfnisse der Kunden? Das Bedürfnis der Kinder nach Bewegung wurde von einem Kettenkarussell gestillt, das Null-Emissions-Modell wurde mit einem Fahrrad angetrieben.
Dekan Michael Waldmann hatte das Bedürfnis, im Gottesdienst den rund 300 Ehrenamtlichen des Bezirkskirchentags zu danken. Seine Bilanz war sehr positiv: Rechne man die Veranstaltungen zusammen, habe der Bezirkskirchentag rund 5000 Besucher gezählt. Das Schlusslied des Gottesdienstes zählte mit voller Absicht ganze sechs Strophen: Es sollte genügend Zeit bleiben, um ein ordentliches Opfer einzulegen. Das Geld kommt einem Spendentopf für Menschen mit Fluchterfahrung zugute.