St. Laurentius – ein Zeichen für Vergänglichkeit und Beständigkeit

Seit mehr als fünfhundert Jahren thront auf dem Schlossberg die Laurentiuskirche. Der Kirchturm mit der markanten „welschen Haube“ überragt die Dächer der Altstadt.

 

Von hier oben hielt man Wacht über Menschen, Haus und Hof, warnte vor ausbrechendem Feuer und herannahenden Feinden.

 

Die Laurentiuskirche ist mehr als ein Baudenkmal. Sie gibt ein lebendiges Zeugnis über Wohl und Wehe eines gewachsenen Gemeinwesens.

 

Die Laurentiuskirche überstand die Feuersbrunst des Stadtbrands 1750 wie des Schwelbrands im Jahr 2000, das Wüten der Söldner während des Dreißigjährigen Krieges wie Plünderungen, Pestzeiten und zwei Weltkriege.

 

Die Kirche bietet seit jeher einen sichereren Hort.

 

Das Kostbarste, was die Stadt besaß, wurde im „alten Gewölbe“ des Kirchturms verwahrt. Noch heute beherbergt die Turmbibliothek kostbare bibliophile Schätze sowie historische Predigten.

 

Fünf Glocken gemahnen die Lebenden an Zeit und Endlichkeit. Bürgersinn rettete die älteste, aus dem Jahr 1493 stammende Glocke. Die Nürtinger waren es, die sie wehrhaft vor dem Einschmelzen zu Kanonen bewahrten.

 

In der Laurentiuskirche versammeln sich seit Jahrhunderten Männer und Frauen, einst von fürstlichem Hofstaat, Lateinschüler, Seminaristen, heute Menschen mit industriellem Mut, schwäbischem Fleiß und bürgerlichem Engagement. Eduard Mörike und Friedrich Wilhelm Schelling besuchten hier die Gottesdienste. Friedrich Hölderlin wurde 1784 in der Laurentiuskirche konfirmiert.

 

Das zentrale Baudenkmal Nürtingens hat Freud und Leid überdauert. Es war und ist den Menschen ein Zeichen, Symbol sozialer Verbundenheit. Die markante Mahnung über die Zeitläufte hinweg. Es erzählt Bürgerinnen und Bürgern von all den Generationen, die kamen und gingen. Ein Zeichen sowohl für Vergänglichkeit als auch für Beständigkeit, für Hoffnung über alle kleinmütigen Ängste und allzumenschlichen Sorgen hinweg – der Ewigkeit zugewandt.

 

Eckhard Rahlenbeck