114 Stifter für den Erhalt der Stadtkirche

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Die Autoren des neuen Kirchenführers berichteten an der Feier über ihre Recherchen

Die Stiftung der Stadtkirche in Nürtingen feiert zehnjähriges Bestehen und präsentiert den neuen Kirchenführer

NTZ - Thomas Krytzner



Die Suche nach dem 100. Stifter für die Stadtkirche St. Laurentius in Nürtingen war erfolgreich. Zur Jubiläumsfeier am Montag konnte Dekan Michael Waldmann verkünden, dass sich nun 114 Stifter um den dauerhaften Erhalt der Kirche kümmern. An der Feier stellten die Autoren den neuen Kirchenführer vor. Die Capella Laurentiana umrahmte das Jubiläum musikalisch.

Sie ist das historische Wahrzeichen der Stadt: die Stadtkirche St. Laurentius. Ende des 15. Jahrhunderts wurde sie von den Bürgern erbaut und ist auch heute noch ein Stück Heimat für viele Nürtinger. Vor zehn Jahren gründeten damals 35 Mitglieder die Stiftung zum Erhalt der Kirche mit einem Kapital von 150 500 Euro. Noch im selben Jahr stieg die Anzahl der Mitglieder auf 69 und die Einlagen betrugen 280 000 Euro. Heute liegen fast eine halbe Million Euro im Topf der Stiftung. Dekan Michael Waldmann zeigte sich sichtlich erfreut, dass der Aufruf am vergangenen Freitag in den Medien weitere 15 Bürger bewegen konnte, sich als Stifter zu betätigen. „Unser Ziel ist es jetzt, die 500 000 Euro zu erreichen.“ Er berichtete, dass man zu Beginn kleinmütig war und nicht mit einem solch großen Zuspruch aus der Bevölkerung gerechnet hätte.

Nun besteht die Stiftung seit zehn Jahren und zur Jubiläumsfeier gab es den neuen, druckfrischen Kirchenführer. Dieser entstand, wie Waldmann erläuterte, auf Anregung des Stiftungsvorstandes. Pfarrer Markus Lautenschlager bekam die Aufgabe, diese Schrift in Angriff zu nehmen. „Der neue Kirchenführer löst den damaligen von 1987 ab. Der ehemalige Stadtkirchenpfarrer, Dr. Johannes Kiefner, hatte diesen damals verfasst.“

Detektive im Auftrag der Kirche: Intensive Recherche war nötig

Der neue Kirchenführer erscheint in hellen Farben und erzählt die Geschichte der Stadtkirche. Weitreichende Erklärungen zum Bau und zum Innenleben sind in der Schrift zusammengefasst. Die Neuerscheinung ist ein Gemeinschaftswerk mehrerer Verfasser. Stadtarchivar Reinhard Tietzen, Mesner Klaus Hauber, Sigrid Emmert vom Schwäbischen Heimatbund und Historiker Steffen Seischab begaben sich ebenso auf Zeitreise, wie Albrecht Braun, Kustos der Turmbibliothek, die Bezirkskantoren Angelika Rau-Čulo und Michael Čulo sowie Pfarrer Markus Lautenschlager. Zum Teil war echte Detektivarbeit nötig, um an die gesuchten Informationen zu kommen.

Diese Erfahrung machte besonders Mesner Klaus Hauber, als er den Erschaffer des Messingkreuzes auf dem Altar recherchieren wollte. Es waren mehrere Besuche in Archiven und Sichtungen alter Kassenbücher der Kirche nötig. Schließlich fand Hauber heraus, dass das Kreuz 1944 von Adolf Hess erschaffen wurde. Auch Reinhard Tietzen kam mit seinem Bericht über die Baugeschichte der Stadtkirche kaum voran: „Die Suche nach Antworten gestaltete sich schwierig. Während der Recherchen kamen mehr Fragen auf, als dass Informationen gefunden wurden.“

Das exakte Alter der Stadtkirche lässt sich auch nach intensiven Nachforschungen nicht bestimmen. Sigrid Emmert beschäftigte sich mit den Grabstätten (Epitaphen) in der Kirche und fand bei ihrer Reise in der Zeit interessante Informationen über Menschen. Sie konnte berichten, dass beispielsweise der Prediger Wendel Bilfinger zur einzigartigen Quelle der vergangenen Zeit wurde, weil er minutiös Tagebuch führte. Vor allem die Zeit des Dreißigjährigen Krieges beschrieb er in allen Details. Es folgten weitere Anekdoten durch die verschiedenen Autoren des neuen Kirchenführers.

Ein besonderes Schmankerl zeigte Rolf Knappert an der Jubiläumsfeier der Stiftung. Mit seiner Drohne hatte er einen Flug durch die Stadtkirche gefilmt. Während des Films spielte Angelika Rau-Čulo live auf der Orgel und machte so den Flug durch die Kirche zu einem unvergesslichen Erlebnis. Rolf Knappert erklärte zum Film: „Die Steuerung der Drohne ist wie Autofahren, nur doppelt schwierig.“ In der Tat, denn er musste nicht nur das Gefilmte im Auge behalten, sondern auch die Drohne steuern und beobachten. „Wenn man knapp 40 Zentimeter an den Leuchten der Kirche vorbeifliegt heißt es aufpassen, sonst gibt es schnell nur noch eine Flugrichtung – nach unten.“ Der Film wird in Kürze auch im Internet veröffentlicht.

Den neuen Kirchenführer können Interessierte für fünf Euro bei der Evangelischen Kirchengemeinde St. Laurentius beziehen. Weitere Informationen gibt es unter www.stadtkirche-nuertingen.de.

 

Wenn Sie sich über die Stadtkirchenstiftung informieren oder selbst Stifter werden möchten, finden Sie hier Informationen oder melden Sie sich einfach telefonisch im Dekanatamt.