"Wir wollen in der Fläche bleiben“

Dekan Michael Waldmann stellte gestern die Überlegungen zur Zukunft der Gebäude der Evangelischen Kirchengemeinde vor.

Die Stadtkirche ist und bleibt unantastbar. Sonst kann sich die evangelische Gesamtkirchengemeinde viel vorstellen, wenn es um die Zukunft ihrer Immobilien geht. Aber eines ist seit gestern Abend klar: Martin-Luther-Hof, Versöhnungskirche und Stephanushaus will man für zwei Jahrzehnte halten. Wenn auch eventuell abgespeckt.
 
Über Details informierte gestern Abend Dekan Michael Waldmann die Öffentlichkeit im evangelischen Jugendhaus am Steinenberg. Konkret geht es um die weitere Umsetzung der schon vor acht Jahren gefassten Grundsatzbeschlüsse.
Mittlerweile hatte sich ja bereits einiges getan: 2008 hatte man schon das Laurentius-Gemeindehaus in der Johannesstraße an die Stiftung Tragwerk verpachtet – und Teile davon wieder zurückgemietet. „Dadurch haben wir immerhin einen Netto-Erlös von 20 000 Euro im Jahr“, zieht Waldmann im Gespräch mit unserer Zeitung eine positive Bilanz.
Darüber hinaus wurde 2010 die Auferstehungskirche im Enzenhardt an die Stadt Nürtingen verkauft. Gleichzeitig sicherte sich die Kirchengemeinde das Nutzungsrecht an Gottesdienst- und Markusraum.
Ferner wurde die Kirchenpflege ins Dekanat an der Marktstraße integriert (laut Waldmann spart man dadurch weitere 20 000 Euro) und – bereits 2007 – die „StadtKirchenStiftung“ gegründet, deren Kapital (so hofft der Dekan) bis zum Jahresende auf 400 000 Euro angewachsen sein könnte. Mit den Erträgen vermag man die Kirchengemeinde von Renovierungskosten zu entlasten.
„Unser Grundsatzbeschluss von 2006 war richtig“
Michael Waldmann, Dekan
An den Grundsatzbeschluss von 2006 gekoppelt war die Ankündigung, binnen zehn Jahren über die Schließung weiterer Standorte nachzudenken und zu entscheiden. Im Fokus standen dabei Lutherhof, Stephanushaus und Versöhnungskirche. Ende vergangenen Jahres hatte man sich dabei schon per Beschluss festgelegt, alle drei Gebäude für mindestens 20 Jahre zu erhalten und zu ertüchtigen.
Konkret heißt dies laut Waldmann: Der Lutherhof soll so instandgesetzt werden, dass das Erscheinungsbild aus den 70er-Jahren und auch die Funktionalität bewahrt bleiben.
Dazu will man den Trakt aus den Fünfzigern abreißen und Küche, WC und Gemeinderäume in einem verkleinerten Anbau an das restliche Gebäude unterbringen. Waldmanns Ziel: „Der Lutherhof soll auch weiterhin vesperkirchentauglich bleiben.“
Eine Million Euro soll das laut einer Machbarkeitsstudie kosten. Um dies zu finanzieren, will man nach dem Abriss frei gewordene Flächen verkaufen und vermutlich auch das Pfarrhaus abgeben. Rund 650 000 Euro muss nämlich die Gesamtkirchengemeinde selbst aufbringen, den Rest steuern Landeskirche (30 Prozent der Gesamtkosten) und Kirchenbezirk bei. Voraussetzung dazu ist indes eine Bebauungsplanänderung. „Erste Kontakte mit der Stadt gab es schon“, sagt Waldmann.
Dieselbe „Verjüngungskur“ steht im Grunde der (auch schon 50 Jahre alten) Versöhnungskirche bevor. Was die Finanzen anbelangt, blickt man indes hier bei Weitem nicht so durch wie beim Luther-Hof.
Laut Dekan hat eine Schätzung des Oberkirchenrats eine Spanne zwischen 480 000 und einer Million Euro ergeben. „Ein Architekturbüro soll das nun genauer ergründen und auch eine Prioritätenliste aufstellen.“ Die Varianten werden dann zwischen „Absolut notwendig“, „Wichtig“ und „Wünschenswert“ eingeteilt. Egal, wofür man sich entscheidet: Auch hier will man Grundstücksflächen verkaufen, um die Sache zu finanzieren.
Am klarsten sehen die Verhältnisse beim Stephanushaus im Roßdorf aus. Das Pfarrhaus in der Straße Am Buchenhain ist bereits zum Verkauf ausgeschrieben, Pfarrerin Birgit Mattausch in eine Mietwohnung umgezogen. Ihre Amtsräume befinden sich seit vergangenem Monat im Mesnerhaus direkt neben dem Stephanushaus, das mittelfristig zum Pfarrhaus umgebaut werden soll. Das wird nach Waldmanns Schätzung so um die 250 000 Euro kosten, von denen die Nürtinger Gemeinde rund 150 000 selbst aufbringen muss.
Per Erlass der Landeskirche muss man in der Hölderlinstadt übrigens rund 63 000 Euro pro Jahr für die sogenannte Substanzerhaltungsrücklage abzweigen, die ein Polster für die Erhaltung der restlichen Gebäude bilden sollen: Stadtkirche, Jugendhaus, Pfarrhaus Kirchstraße und Dekanatsamt.
Das gestern vorgestellte Immobilienkonzept soll laut Michael Waldmann nicht zuletzt das zeigen: „Wir wollen in der Fläche bleiben und unsere Kirchengemeinde nicht zentralisieren, sondern dezentral wohnortnah bei den Menschen bleiben.“
Neueste Untersuchungen zeigten zudem: „Die Menschen leben wieder quartiersbezogener und setzen sich in ihrem Umfeld auch ein.“ Der Dekan: „All das zeigt, dass unser Grundsatzbeschluss von 2006 richtig war.“

 

Das Handout des Abends können Sie hier herunterladen.