Pfadfinderheim zurückgegeben

Das Nürtinger Pfadfinderheim ist wieder in den Händen seiner Erbauer

Gestern herrschte großer Andrang im Pfadfinderheim Nürtingen. Der Grund für das zahlreiche Erscheinen der eingeladenen Gäste war die Übergabe des Pfadfinderheims durch Dekan Michael Waldmann an den Freundeskreis des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Gau Teck. Nach dem Gottesdienst brachen der Nürtinger Dekan mit Mitgliedern des Freundeskreises und geladenen Gästen zu einem gemeinsamen Spaziergang von der Nürtinger Stadtkirche zum Pfadfinderheim auf. In seiner Begrüßung erwähnte Horst Oßwald, Erster Vorsitzender des Freundeskreises, dass es sich hierbei um einen Zusammenschluss von evangelischen Pfadfindern aus verschiedenen Ortschaften im Kreis Esslingen und dem Kreis Göppingen handelt. Dazu gehören Denkendorf, Dettingen, Göppingen, Geislingen, Hepsisau, Unterensingen, Wendlingen, Wolfschlugen und Nürtingen. Gegründet wurde der eingetragene Verein im Jahr 1960, weil Pfadfinder aus dem Gau Teck auf dem Käppele in Dettingen ein Grundstück für einen Zeltplatz erwerben wollten. Eine große Anzahl der Mitglieder kam aus Nürtingen. Der Verein setzt sich für die Unterstützung der Pfadfinder des Gaus Teck ein. Um den Anwesenden einen geschichtlichen Überblick zu verschaffen, fuhr Oßwald mit einer von Eugen Schweizer zusammengefassten Entstehungsgeschichte des VCPHeims fort: Zwei Jahre nach Kriegsende – im Jahr 1948 – schickte der damalige Stadtpfarrer Braun sieben junge Burschen in ein Lager Christlicher Pfadfinder nach Schwäbisch Hall. Begeistert von den Eindrücken der Pfadfinderarbeit kamen sie nach Nürtingen zurück, wo sie sofort begannen, einen Pfadfinderstamm zu gründen. Pfarrer Brauns Nachfolger, Dekan Theodor Dipper, konnte ebenfalls von der Christlichen Pfadfinderarbeit überzeugt werden, sodass er damals die Schirmherrschaft übernahm. Es wurden viele Sippen gegründet, sodass der Stamm ständig gewachsen ist und zeitweilig über 120 Mitglieder hatte. Auf dem ehemaligen Gelände der damaligen katholischen Kirche in der Neuffener Straße (heute Heller-Parkplatz) wurde von der Stadt Nürtingen eine Baracke aufgestellt. Diese wurde sowohl von der Katholischen Jugend als auch von den Christlichen Pfadfindern genutzt. Schon bald war die Unterkunft für den Stamm viel zu klein, sodass der Plan eines eigenen Pfadfinderheims entstand. Ideengeber waren die Brüder Uli und Eberhard Weinbrenner. Der damalige Gauführer Gotthilf Kurz sowie Ulrich Nübel und Eberhard Weinbrenner verhandelten mit der Stadt Nürtingen wegen eines Grundstücks. Die Christlichen Pfadfinder bekamen zwar ihr Grundstück, jedoch nur in Pacht. Der Vertrag wurde zwischen der Stadt Nürtingen und der Evangelischen Kirchengemeinde abgeschlossen. 1952 wurde dann auf einem Stammeslager in der Bärhütte der Bau des Pfadfinderheims beschlossen. Der Kostenvoranschlag belief sich damals auf 13 250 Mark. Uli Nübel und Gotthilf Kurz gelang es, unter Nürtinger Industriebetrieben und Ladengeschäften für den Rohbau eine schöne Summe an Spenden zusammenzutragen. Die Bauarbeiten wurden dann von Stammesmitgliedern abends und an den Wochenenden ausgeführt. Im August 1952 konnte so das Richtfest ausgetragen werden. Da die Begeisterung für den Bau des eigenen Heimes Monat für Monat schwand, war der Stamm auf 40 bis 45 Mitglieder geschrumpft. Durch die von den Pfadfindern selbst ausgeführten Arbeiten kam man auf einen Gesamtpreis des Heims von 3000 Mark. Am 8. März 1953 wurde das Heim mit einem großen Fest eingeweiht. Der Grundstein für eine für lange Jahre wieder erfolgreiche Pfadfinderarbeit war gelegt. Da sich die evangelische Kirche von einigen ihrer Gebäude trennen möchte, sah es Horst Oßwald als naheliegend an, das Pfadfinderheim wieder in die Hände der Pfadfinder zurückzugeben. Nach fast drei Jahren Verhandlungszeit wurde man sich dann zuerst mit der Stadt Nürtingen einig und später auch mit der evangelischen Kirche Nürtingens.
Seit Beginn des Jahres in Verantwortung der Pfadis
Seit dem 1. Januar diesen Jahres liegt die Verantwortung für das Pfadfinderheim nun in den Händen des Freundeskreises des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Gau Teck. Horst Oßwald meinte dazu: „Wir haben ein bisschen mehr als einen symbolischen Wert und ein bisschen weniger als den realen Wert (nämlich 5000 Euro) für die Übernahme des Heims bezahlt.“ Anschließend verkündete Dekan Waldmann in seiner Ansprache: „Da die Pfadfinder dieses Haus gebaut haben, soll es nun wieder an sie zurückgehen.“ Waldmann überreichte dazu einen symbolischen Schlüssel aus gebackenem Teig an den ersten Vorsitzenden des Vereins, Horst Oßwald. Zusammen mit dem Schlüssel gab er den alten Erbauern und neuen Besitzern die Worte mit auf den Weg: „Möge dein Dach nie einfallen und mögen die, die sich darunter treffen, nicht streiten. Möge der erste Besucher die Tür so offen finden wie der letzte. Möge keiner aus diesem Haus mit leerem Herzen gehen".

 

Quelle: Nürtinger Zeitung vom 16.03.2009