Stadt kauft Gemeindezentrum

Nach Umbauarbeiten soll der Kirchenraum im Enzenhardt künftig für die kirchliche und die bürgerliche Gemeinde nutzbar sein.

Enzenhardtkirche steht für Gemeindearbeit und Gottesdienste aber weiter zur Verfügung

Die Evangelische Kirchengemeinde Nürtingen hat ihren Grundsatzbeschluss umgesetzt, die Auferstehungskirche samt Gemeindehaus zu veräußern. Neuer Besitzer der Immobilien wird die Stadt Nürtingen, die der Kirche jedoch ein langfristiges Nutzungsrecht für Teile des Gebäudes zusichert.

Von Uwe Gottwald

NÜRTINGEN. Auch die Kirche bleibt von finanziellen Einschnitten nicht verschont, sinkende Einnahmen bei der Kirchensteuer zwingen zum Handeln. Bereits im Sommer 2006 beschloss der Gesamtkirchengemeinderat Nürtingen deshalb, sich von Immobilien zu trennen, unter anderem auch vom Gemeindezentrum im Enzenhardt. Dekan Michael Waldmann war seitdem auf der Suche nach einem Käufer und gleichzeitig nach einer Lösung, die eine kirchliche Gemeindearbeit und Gottesdienste im Enzenhardt weiter gewährleistet, was sich zunächst als schwierig erwies.

Mit der Gründung des Enzenhardtforums und dem Wunsch nach einer Begegnungsstätte sowie dem wachsenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen kam die Stadt als Käufer ins Gespräch. Nach intensiven und fairen Verhandlungen, heißt es in einer Mitteilung von Seiten der Kirche, wurde man sich mit der Stadt einig. Ab dem nächsten Jahr soll das Gemeindezentrum in das Eigentum der Stadt übergehen.

„Wir haben die Nutzungstage festgelegt“, so Oberbürgermeister Otmar Heirich. Der Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, doch geht man bei der Kirchengemeinde von einem Nutzungsrecht für zirka 60 Gottesdienste im Jahr aus. Außerdem soll sie den sogenannten Matthäus-Raum im Erdgeschoss 15 Stunden in der Woche für ihre Gemeindearbeit nutzen können. Gleichzeitig soll der Raum dem Bürgerforum zur Verfügung stehen.

Laut einem Brief der Kirche an ihre Gemeindemitglieder soll die Vereinbarung für eine Dauer von 15 Jahren abgeschlossen und die Nutzung mit einem Abschlag von der Kaufsumme verrechnet werden. Darüber hinaus soll die Stadt der Gesamtkirchengemeinde die Möglichkeit einräumen, das Nutzungsrecht für weitere 15 Jahre zu verlängern. Über die Höhe der Kaufsumme gab die Stadt noch keine Auskunft, sie soll erst nach dem offiziellen Vertragsabschluss und den abschließenden Beratungen in den gemeinderätlichen Gremien bekannt gegeben werden.

Dekan Waldmann rechtfertigt den Verkauf mit der Finanzlage: „Wir können nur an Personal oder an Immobilien einsparen, da war uns das Personal wichtiger.“ Er verkennt jedoch nicht die emotionale Verbundenheit von Gemeindemitgliedern: „Das ist ohne Frage ein schmerzlicher Einschnitt, an dem die Kirchengemeinde im Enzenhardt besonders zu tragen hat.“ Deshalb war es ihm auch wichtig, am Montagabend vor Ort Rede und Antwort zu stehen, schriftlich wurden dazu alle Enzenhardter Kirchengemeindemitglieder ins Gemeindehaus eingeladen.

„Das ist für beide Seiten eine sehr gute Lösung“, freut sich Oberbürgermeister Heirich. Die Auferstehungskirche und der direkt angrenzende Kindergarten blieben als Zentrum des stark wachsenden Stadtteils erhalten. Auch der Verein Tragwerk könne in dem Gebäude seine sozialpädagogische Arbeit mit Jugendlichen fortsetzen.

Dekan sieht in Kooperation auch Chancen für die Kirche

Die Stadt beabsichtigt, in dem Gemeindezentrum zwei Betreuungsgruppen für Kinder unter drei Jahren einzurichten. Der Kirchenraum soll für eine multifunktionale Nutzung umgebaut werden. Der sakrale Bereich mit dem Alter könnte abtrennbar gestaltet werden, um den Raum unter der Woche für die Kinder oder auch für größere Veranstaltungen zum Beispiel des kirchlichen Seniorenkreises oder des Bürgerforums zu nutzen. Sonntags wären dann Gottesdienste möglich.

Dekan Waldmann sieht in der Lösung auch Chancen für die Kirche: „Künftig werden dort Kinder, Familien, und Senioren ein- und ausgehen, da könnten sich interessante Kontakte ergeben.“ Ansätze dazu seien ohnehin vorhanden, sei doch das Haus in den letzten Jahren immer offen gewesen für Nutzungen über die kirchlichen Belange hinaus. Im Grunde genommen seien nun eben nur die Besitzverhältnisse anders.

Bürgermeister Rolf Siebert als zuständiger Sozialdezernent rechnet mit einem Umbau im Laufe des nächsten Jahres. Ziel sei es, nach den Sommerferien mit den Kindergruppen zu starten. In einem großen Betreuungszentrum mit dem angrenzenden Kindergarten sieht er Vorteile, können doch Räumlichkeiten, Freiflächen und, zum Beispiel bei Vertretungsbedarf, auch Personal gemeinsam genutzt werden.